Archive for Juni, 2007

Die perfekte Poker Hand

sueddeutsche.de

Deutschland ist im Poker-Fieber. Casinos veranstalten Turniere, das DSF überträgt zur Prime Time, selbst James Bond wendet sich von Baccarat ab und pokert. Der wahre Boom jedoch findet im Internet statt.

Der smarte George trifft es mal wieder ziemlich gut: ,,Wenn du nur lange genug spielst, gewinnt am Ende immer die Bank. Außer wenn dieses perfekte Blatt kommt und du hoch pokerst, dann nimmst du die Bank aus.‘‘ So beschreibt George Clooney im Film ,,Ocean’s Eleven‘‘, worauf es beim Spiel ankommt. Die Möglichkeit, innerhalb von Sekunden zum Millionär zu werden, macht die Faszination des Pokerns aus.

Das reale Pendant ist der Amerikaner Chris Moneymaker. 2003 bezahlte er 39 Dollar, um an einem Online-Turnier teilzunehmen. Er gewann und qualifizierte sich für die World Series of Poker, dem größten Turnier in den USA. Dort besiegte er 838 Gegner und sicherte sich ein Preisgeld von 2,5 Millionen Dollar. Ein wahres Märchen mit einer eindeutigen Botschaft: Jeder kann gewinnen.

Moneymakers Triumph - der Name ist kein Pseudonym -löste weltweit ein Pokerfieber aus, das nicht mehr zu stoppen ist. Casinos veranstalten täglich Turniere, der Sportsender DSF überträgt zur besten Sendezeit. Der wahre Boom jedoch findet im Internet statt: Einer Marktanalyse von Global Betting and Gaming Consultants zufolge erwirtschafteten die Betreiber von Online-Casinos im Jahr 2006 einen Bruttogewinn von 3,7 Milliarden Dollar weltweit.

Online-Plattformen haben gegenüber Casinos den Vorteil, dass die enormen Kosten für Tische und Personal entfallen. Ein virtueller Dealer verteilt die Karten automatisch, ermittelt den Sieger und verteilt die Jetons. Dazu gibt es im Internet keine Öffnungszeiten, es kann rund um die Uhr gespielt werden. Zu Hochzeiten sitzen an den Tischen des weltgrößten Anbieters partygaming.com gleichzeitig mehr als 70000 Spieler.

Ihren Umsatz erzielen die Online-Casinos mit Startgebühren und dem so genannten Rake. Dabei behält der Betreiber einen Teil der Gewinnsumme ein. Üblich sind fünf Prozent bei einer Begrenzung von einem Dollar pro Spiel. Eine Partie am virtuellen Tisch dauert etwa 90 Sekunden, sodass der Veranstalter an einem Tisch mit zehn Spielern bis zu 40 Dollar pro Stunde verdienen kann.

Gerade in Deutschland ist das Zocken im Netz zum Trend geworden. Dabei ist das Online-Pokern nach deutschem Recht illegal. Im Internet gibt es jedoch keine deutschen Grenzen, was die Anbieter ausnutzen. Dass der deutsche Anbieter bwin.de lediglich über eine Glücksspiellizenz aus Gibraltar verfügt, stört die Spieler kaum. Im Juni 2006 pokerten laut einer Analyse des Verbandes der deutschen Automatenindustrie drei Millionen Deutsche im Internet - pro Monat kamen seitdem mehr als 150000 neue Spieler dazu. Vier Millionen Deutsche suchen derzeit also ihr Glück im Netz - obwohl Profis betonen, Pokern habe mit Glück nur bedingt zu tun. Das macht die Faszination gegenüber Spielen wie Roulette und Würfeln aus: die Annahme, sein Glück unter Kontrolle zu haben.

Die Wahrscheinlichkeit von guten Karten errechnen gute Spieler blitzschnell: Die Chance auf zwei Asse zum Start beträgt ungefähr 0,45 Prozent. Das ist bei 52 Karten im Deck eine einfache Rechnung, danach wird es kompliziert und das Pokern im Internet gefährlich. Am Tisch in einem realen Casino muss die Wahrscheinlichkeit im Kopf berechnet werden - Spieler im Internet dagegen können nebenher ein Analyseprogramm laufen lassen, das die Chance auf ein gutes Blatt automatisch berechnet. Hobbyspieler haben gegen die Präzision des Computers kaum eine Chance und müssen sich auf ihr Glück verlassen.

Dazu gibt es im Internet die Möglichkeit, sich untereinander abzusprechen. Betrüger wählen sich von verschiedenen Orten ins Internet ein, setzen sich an den gleichen Tisch und unterhalten sich über das Telefon über die Karten, die ihnen zugeteilt werden. Danach besprechen sie ihre Taktik, setzen nach Absprache und bringen ehrliche Teilnehmer um die Chance auf ein faires Spiel.

Die Betreiber von Online-Casinos freilich betonen die Sicherheit der virtuellen Pokertische und rühmen sich, energisch gegen Betrüger vorzugehen. Es ist allerdings bei der hohen Anzahl der Spieler fast unmöglich herauszufinden, wer sich untereinander abspricht.

Chris Moneymaker ist das egal. Er hat seit seinem Überraschungserfolg 2003 kein Turnier mehr gewonnen. Er hat die Seiten gewechselt, vermarktet seine Geschichte und betreibt Werbung für Online-Casinos. Er hat zu Recht erkannt: Am Ende gewinnt immer die Bank.

EVEREST POKER

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Deutsche Spielbanken wollen Online-Casino vor Gericht durchboxen

derstandard.at

Die Spielbanken Niedersachsen (SNG) wehren sich gegen das Verbot von Online-Casino durch das Land und wollen notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht (BVG) ziehen. “Der ablehnende Bescheid hat uns nicht nur überrascht, sondern wir fühlen uns durch die Landesregierung regelrecht getäuscht”, sagte SNG-Geschäftsführer Rainer Chrubassik am Dienstag in Hannover.

klage—
Online-Casino sei in engem Schulterschluss mit dem Finanzministerium geplant worden. Niedersachsen hatte im Februar die Zulassung für Black Jack, Poker, Roulette und andere Glücksspiele im Internet verweigert und auf das BVG-Urteil vom März 2006 verwiesen, das solche Vorhaben bis 2008 verboten hat. Gegen die Entscheidung des Landes hat die SNG im März Klage eingereicht.

Sollte das Verbot bleiben, könnten auf das Land Forderungen von bis zu 30 Mio. Euro zukommen, sagte Chrubassik. Allein an den heutigen Besitzer der zehn niedersächsischen Spielbanken, Casinos Austria, müsse das Land dann mehr als sieben Millionen Euro zurückzahlen. Außerdem seien Investitionen der SNG von sechs bis sieben Millionen Euro und erhebliche Einnahmeausfälle zu berücksichtigen.

2005 betrug der Bruttospielertrag bei Online-Casino aus Deutschland heraus 250 Mio. Euro

Die Spielbanken, die 2006 einen Bruttospielertrag, also Einsätze abzüglich Gewinnausschüttung, von 102 Millionen Euro erzielt haben, versprechen sich vom Glücksspiel im Internet zusätzliche Einnahmen. Weltweit liegen der SNG zufolge die Wachstumsraten im Online-Casino bei 15 bis 17 Prozent pro Jahr. 2005 betrug der Bruttospielertrag bei Online-Casino aus Deutschland heraus 250 Mio. Euro.

In Deutschland sei Online-Casino derzeit aber nur in Hessen erlaubt, sagte Chrubassik. “Wenn wir kein Glücksspiel im Internet anbieten, treiben wir die Kunden in die Hände von Anbietern in Antigua oder Costa Rica, bei denen es wenige bis gar keine Sicherheitsbestimmungen gibt.” In Niedersachsen dagegen sei zum Beispiel geplant, den Einsatz auf 500 Euro pro Woche zu beschränken, um eine Überschuldung der Spieler zu vermeiden.(APA/Reuters)

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