bwin in Übernahmegesprächen mit Sportingbet
Der Online-Wettanbieter bwin Interactive Entertainment AG hat am Mittwoch Gespräche mit Sportingbet bestätigt, die zu einem Übernahmeangebot führen könnten.
“Als Reaktion auf Spekulationen seitens der internationalen Presse bestätigt das Management der bwin, sich in einem sehr frühen Stadium von Verhandlungen mit Sportingbet plc zu befinden”, teilte bwin am Mittwoch mit.
Ob dies zu einer tatsächlichen Angebotslegung bzw. zur Übernahme der Sportingbet führen werde, lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschätzen, hieß es weiter in der Aussendung.
Finanzkreise erwarten indes keine klassische Übernahme in bar, sondern einen Aktientausch. Eine neuerliche Kapitalerhöhung wie für die Ongame-Übernahme könnte damit umgangen werden.
bwin bestätigt damit Informationen aus Branchenkreisen, dass bwin mit Sportingbet Gespräche führe. Der britische Wettanbieter hatte heute morgen lediglich erklärt, mit einem Anbieter in einem sehr frühen Stadium von Gesprächen zu stehen.
Die Übernahmegerüchte ließen die Sportingbet-Aktie heute um rund 18 Prozent steigen. Das Unternehmen wird damit derzeit mit rund 250 Millionen Pfund - etwa 367 Millionen Euro - bewertet. bwin bringt es derzeit auf einen Börsenwert von rund 950 Millionen Euro, also etwa das Zweieinhalbfache.
Die Aktie der Wiener legten heute erneut knapp acht Prozent zu. Hintergrund dafür ist aber nicht eine mögliche Übernahme von Sportingbet, sondern eher das gestrige Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das letztlich die staatliche Glücksspielmonopole in Frage stellt.
bwin und Sportingbet sind ähnlich aufgestellt, betreiben ein internationales Geschäft für Sportwetten, Online-Casino- und Pokerspiele.
Sportingbet könnte ein wertvolles Engagement werden, weil nach dem Urteil der EU-Richter es zu einer Öffnung der Wettmärkte kommen könnte, sagte ein Londoner Analyst.
Bedenke man, wohin sich die Wettmärkte in den nächsten Jahren entwickeln könnten, wären 65 Pence je Aktie billig, sagte der Analyst.
bwin und Sportingbet waren im vergangenen Jahr auch von den Problemen in den USA betroffen. bwin wird 2006 deshalb ihre erst im vergangenen Frühjahr um rund 500 Millionen Euro gekaufte Pokerplattform Ongame abschreiben und damit einen Riesenverlust ausweisen. Sportingbet hat ihre US-Aktivitäten um einen Dollar verkauft und einen Großteil des Geschäftes verloren.
Wiener Analysten zeigten sich skeptisch, da sie eine Kapitalerhöhung für schwer platzierbar halten. Leopold Salcher von der RCB sagte, eine Fusion sei noch eher vorstellbar.
“Ich glaube nicht, dass der Markt schon bereit ist, dieses Risiko zu nehmen”, sagte Alfred Reisenberger von der CA-IB unisono. Vom Geschäft her würde es wohl Sinn machen, weil bwin damit das traditionell starke britische Wettgeschäft bekommen würde, offen sei aber die Finanzierung.

