Casino: Konkurrenz aus Zürich droht
Ein Casino in Zürich fände der Direktor vom Grand Casino Luzern «verkraftbar». Es gibt aber noch weitere Konkurrenz: das Online-Spiel.
Für Wolfgang Bliem, Direktor Grand Casino Luzern, wäre ein Casino in Zürich nicht die «grosse Katastrophe» und «einigermassen verkraftbar». Trotzdem: «Ein solches Projekt würde unsere Ertragskraft erheblich schwächen. Die Renditen würden niedriger ausfallen und wir müssten unser Gesamtangebot überdenken.» Das Wirtschaftszentrum Zürich hat bis heute kein Casino. Jetzt bewerben sich gleich drei Projekte um eine Konzession, wie die SonntagsZeitung berichtete.
10 Prozent Einbusse
Die Zürcher gehen heute vor allem in Baden, Pfäffikon und Schaffhausen spielen, aber auch in Luzern. «Je nach Lage würde uns die Existenz eines Zürcher Casinos rund 10 Prozent des Bruttospielertrags kosten», schätzt Wolfgang Bliem. Bei einem Bruttospielertrag von 49 Millionen Franken (2006) wäre das ein Rückgang von rund 5 Millionen Franken.
Online-Spiel
Am meisten Konkurrenz droht den Casinos vom Internet-Spielbetrieb. Wolfgang Bliem sieht die Entwicklung in Österreich: Dort gibt es mit den Casinos Austria einen Alleinkonzessionär, der sowohl klassische Casinos als auch Online-Glücksspiele anbietet. Es findet eine deutliche Verlagerung statt: «Die Einbussen bei den Bruttospielerträgen in den Casinos sind erheblich, während beim Internet-Spielbetrieb hohe zweistellige Zuwachsraten zu verzeichnen sind.»
Noch gibt es keine Schweizer Anbieter für Online-Glücksspiele. Doch jetzt will der Bundesrat eine Zulassung prüfen. Bliem ist überzeugt: «Einige wenige Casinos, die das realistischerweise einmal selber in der Schweiz weit anbieten könnten, würden profitieren, die andern stark darunter leiden.» Zudem habe die Schweiz bereits jetzt die höchste Casinodichte. «Ob eine allgegenwärtige Verfügbarkeit des Glücksspiels mit dem Ziel der sozialen Verträglichkeit vereinbar ist, gilt es ebenfalls sorgfältigst zu prüfen und abzuwägen.»
Auch in Luzern
Wird Luzern dazu gehören? Wolfgang Bliem: «Das hängt von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Ein Online-Glücksspielbetrieb muss gesamtschweizerisch sehr sorgfältig analysiert werden. Zudem sind die Investitionen erheblich.»
Mehr zum Wettbewerb der Schweizer Casinos und ihrer grössten Nutzniesserin, der AHV, lesen Sie in der Neuen LZ vom Mittwoch, 21. Januar.

