Die Gerüchtemühlen drehen auf vollen Touren: Ein möglicher neuer Superuser-Skandal sorgt für erregte Gemüter in der Pokergemeinschaft. Vor allem weil es hierbei um eine der beliebtesten und geschätztesten Seiten geht: Full Tilt.
Die Verdächtigungen betreffen den unbekannten Spieler TexasLimitKing, möglicherweise ein Deckname für Alex Dalaklis (s. Foto unten). Nach Aussagen diverser Pros hat dieser Spieler im Herbst 2006 eine Gewinnrate erzielt, die übermenschlich und extrem unwahrscheinlich ist. Der Spieler nahm es gegen Full Tilt-Ikonen wie Phil Ivey und David Benyamine auf und hatte einen extrem guten Run, wobei er zeitweise über $1.6 Millionen im Monat abräumte. Vor allem Benyamine fiel ihm zum Opfer: Session um Session schien der Mann keinerlei Chance zu haben.
Eine Reihe Highstakes-Spieler stellte damals die Ehrlichkeit dieses Spielers in Frage. Schauen Sie sich zum Beispiel einmal die untenstehenden Chatlogs vom September 2006 an, nachdem TLK eine Wette an den $500-$1000 Limit-Tischen mit 4 4 zu 3 3 auf ein Q 2 6 Q 6 Board abgeschlossen hatte. TLK schlug hier lediglich zwei Kartenkombinationen – 33 und 32 – und kann also faktisch niemals callen. Ein Fehlklick oder eine Fehlinterpretation des Boards scheinen das wahrscheinlichste Szenario, aber dann folgt dieser Chat:
eastsideslim: wtf
eastsideslim: u can only beat one hand
eastsideslim: how can u call with 44
eastsideslim: board QQ662
eastsideslim: i have 33
eastsideslim: i dont like that
eastsideslim: something not right
TexasLimitKing: just continue
eastsideslim: how can u call with 44
TexasLimitKing: im not g oing to tell u how i play
poker or read u
eastsideslim: im done
eastsideslim: u made a lot of good reads
eastsideslim: but thats just impossible
TexasLimitKing: apparently not
eastsideslim: only 1 hand u can beat
TexasLimitKing: yes
eastsideslim: not 22
eastsideslim: 2,3 or 33
eastsideslim: curisity call or misclick is misreading
the board is only possibility
TexasLimitKing: no comment
Kurze Zeit später verschwand TexasLimitKing plötzlich spurlos von der Seite. Anfangs reagierten die Highstakes Full Tilt-Stammspieler sehr überrascht, mit der Zeit wuchs dann aber allmählich Gras über diese merkwürdige Geschichte.
Der Grund dafür, dass die Geschichte nun wieder aufgewärmt wird, ist, dass eine Reihe Highstakes-Pros, darunter Dustin ‘Neverwin’ Woolf und Eric ‘jakz101poker’ Crain jetzt ihren Frust über die Reaktion von Full Tilt Support äußern. Diese Spieler versuchen schon eine Zeit lang, die vollständigen Hand Historys aus dieser Periode zu recherchieren, um sie zu analysieren. Eine Analyse der Hand Historys führte damals auch zur Enthüllung von Superuser PotRipper auf Absolute Poker. Die Schlussfolgerung, dass PotRipper die Karten seines Gegners sehen konnte, wurde als unvermeidlich betrachtet.
Aber Full Tilt weigerte sich, den Herren die erbetenen Informationen zu erteilen und begründete dies mit konfliktären und unglaubwürdigen Argumenten. So wurde ihnen u.a. zu verstehen gegeben, dass 2006 ‘zu lang her’ sei.
Eine Reihe anderer Poster behauptet nun ‘vom Hörensagen’ zu wissen, dass die Direktion von Full Tilt den Missbrauch schon lange entdeckt habe und hinter geschlossenen Türen einen Deal mit TexasLimitKing abgeschlossen habe. Hierbei soll beschlossen worden sein, dass der Spieler seine unrechtmäßig verdienten Gewinne behalten durfte, aber sich dafür verpflichten musste, bei Full Tilt auszusteigen. Hierdurch wurde die Angelegenheit also unter den Teppich gekehrt. Full Tilt weigert sich, die Anschuldigung zum Zeitpunkt der Niederschrift zu bestätigen oder aber abzustreiten.
Vorerst geht es nur um Gerüchte und kann höchstens das Verhalten des Managements hinterfragt werden. Harte Beweise für einen im Hinterzimmer abgekarteten Deal sind nicht vorhanden. Wir müssen die Geschichte vorerst also mit einem Körnchen Salz verstehen, aber wir werden natürlich am Ball bleiben und die Sache weiterverfolgen.
